Andrea Schleu, Dr. med (Essen), Psychoanalytikerin DGPT
Verstrickung oder Machtmissbrauch?
Professionelle Standards und ethische Fragen in der Psychotherapie
Freitag, 11. Dezember 2026
Moderation: tba
Vortragszyklus: «Leibliche Dimension in der psychoanalytischen Begegnung/ The Bodily Dimension in the Psychoanalytic Encounter»
Verstrickung oder Machtmissbrauch? – Professionelle Standards und ethische Fragen in der Psychotherapie
Das Feld der psychoanalytischen Behandlungsbeziehung birgt viele Unbekannte – und viele Risiken, die uns als professionelle Psychotherapeutinnen herausfordern. Die Perspektive von Patientinnen erweitert unseren Blick auf das ethische Spannungsfeld, in dem wir uns bewegen. Die Perspektive unserer Patientinnen kann uns helfen, unserer professionellen Verantwortung gerecht zu werden. Es wurden auf Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse professionelle Standards und ethische Leitlinien entwickelt, auch sie können Orientierung bieten. Dennoch sind unauflösbare Verstrickungen und folgenschwere Grenzverletzungen in psychoanalytischen und psychotherapeutischen Behandlungsbeziehungen zu beobachten. Erstaunlich und erschreckend zugleich ist jedoch, wie oft uns diese Geschehnisse empören, betroffen machen, aber auch verstummen lassen. Oftmals scheinen wir, wie die Beratungen von Kolleginnen zeigt, ohne eine Vorstellung zu sein für einen angemessenen Umgang mit betroffenen Patientinnen, beschuldigten Kolleginnen, den mittelbar Betroffenen. Auch die Verantwortung für strukturelle Maßnahmen in unseren Institutionen wird kaum wahrgenommen. Was könnten wir tun? Was müssen wir tun?, um unseren eigenen Maßstäben von Wahrheit, Wahrhaftigkeit, Authentizität, Empathie und Wohlwollen gerecht zu werden? Wir wollen versuchen, diese Dynamiken besser zu verstehen und daraus Perspektiven der Prävention ableiten.
Dr. med. Andrea Schleu ist Fachärztin für Psychotherapeutische Medizin, Fachärztin für Innere Medizin sowie Psychoanalytikerin (Die Deutsche Gesellschaft für Psychoanalyse, Psychotherapie, Psychosomatik und Tiefenpsychologie (DGPT) e.V.). Sie ist zertifizierte
EMDR-Therapeutin, Supervisorin (Deutsche Gesellschaft für Supervision und Coaching (DGSv) e.V.) und verfügt über die Zusatz-qualifikation Spezielle Psychotraumatologie (Deutschsprachige Gesellschaft für Psychotraumatologie (DeGPT) e.V.). Seit mehreren Jahrzehnten beschäftigt sie sich wissenschaftlich, klinisch und institutionell mit den Themen Ethik, Grenzverletzungen und Macht-missbrauch in psychotherapeutischen Behandlungen. 2004 gründete sie den Ethikverein e.V., einen gemeinnützigen Verein zur
Förderung und Etablierung ethischer Standards in der Psychotherapie, dessen Vorsitzende sie bis heute ist. Darüber hinaus war sie Mitglied verschiedener Ethikkommissionen und Schiedsstellen psychotherapeutischer Fachgesellschaften in Deutschland. Neben ihrer Tätigkeit in eigener Praxis lehrt und supervidiert sie an psychoanalytischen und psychotherapeutischen Ausbildungsinstituten. Ein besonderer Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt in der Entwicklung professioneller Standards zum Schutz von Patient:innen und
Therapeut:innen sowie in der Prävention und Aufarbeitung von Machtmissbrauch in psychotherapeutischen Behandlungen. Seit 2022 ist sie zudem Vorsitzende des Ausschusses für unabhängige Aufarbeitung sexualisierter Gewalt im Bereich von Ordens-gemeinschaften (AUAO). Zu ihren wichtigsten Veröffentlichungen zählen Umgang mit Grenzverletzungen. Professionelle Standards und ethische Fragen in der Psychotherapie (2021) sowie der gemeinsam mit Bernhard Strauß herausgegebene Band Grenz-verletzungen in der Psychotherapie. Ein interdisziplinärer Diskurs zum institutionellen Umgang mit Machtmissbrauch (2024).
- jeweils von 20.00 – 21.30 Uhr
- im Freud-Institut Zürich
- vor Ort: unentgeltlich
- Bestellung Videorecording der Vorträge, Zugang verfügbar ab einer Woche nach dem Vortrag: CHF 30.–, CHF 15 .– für FIZ-Mitglieder und Gast-Mitglieder des FIZ
- anerkannt von SGPP und PSY-Verbänden, je 2 Credits
- Einheit 8 gemäss Rahmenplan
Öffentliche Veranstaltung im Freud-Institut Zürich, Anmeldung erforderlich: anmeldung@freud-institut.ch